Bild: Pia Hofmann

Bild: Pia Hofmann

 

SHOW ME WHAT`S UNDER IT

 

Was ist Performance?

 

Performance ist Handlungskunst.

 

Die Handlung selbst steht im Mittelpunkt, wird zum Werk oder Teil des Werks und wirkt durch ihre Unmittelbarkeit. Sie provoziert Aussage, indem sie in Frage stellt,  eine neue Perspektive auf bestimmte Zustände und Thematiken öffnet, verblüfft oder schockiert.

 

Die Performancekunst beschäftigt sich mit dem, was dazwischen liegt.

Genau da forscht, thematisiert, benennt und spielt sie. Der Performancekünstler  kreiert einen Versuchsaufbau, dem er sich selbst aussetzt. Er erlebt etwas und dadurch, dass wir diesem Akt beiwohnen, erleben wir mit.

 

Performance ist frei in der Wahl in ihrer Mittel. Das macht sie attraktiv für alle, die sich nicht festlegen wollen.

 

Und kompliziert, wenn man sie einordnen und bewerten möchte.

 

Die Auffassung, das Verständnis von Performance ist so vielseitig und unterschiedlich, wie es Performances und Performancekünstler gibt.

 

Ein wichtiges Kriterium für mich ist, in wie weit mich eine Performance berührt.

Entstehen Bilder und Gefühle? Macht es etwas mit mir? Wird etwas angeregt oder angestoßen? Was bleibt hängen?

 

All das kann ich immer nur für mich beantworten. Die Gefühle jedes einzelnen sind unantastbar, denn sie sind eben, wie sie sind. Sie sind unser ganz persönlicher Reichtum.

 

Was wir machen können ist darüber sprechen. Indem wir uns austauschen treten wir in Verbindung. Wir setzen den Prozess der Performance fort.

 

Über eine Performance reden, über deren Inhalte philosophieren, Sinn, Absicht und zu Grunde liegende Gedanken zu diskutieren, ist manchmal spannender, als die Performance selbst.

 

Doch ist und bleibt die Performance selbst immer das Produkt, das alles in sich trägt.

 

Neben der Unmittelbarkeit von Performance ist  das langsame Wirken typisch, dass sich vieles erst im Nachhinein erschließt, dass es uns an anderem Ort, in anderem Zusammenhang wieder begegnet, manchmal auch erst lange Zeit danach. Als ob ein Samen plötzlich aufgeht und wir etwas erkennen, was uns vorher verborgen war. Plötzlich verstehen wir.

 

Das Wissen um diesen Moment des Verstehens ist wichtig.

 

Er gibt uns die Freiheit in den Prozess einzutauchen, ihn wirken zu lassen, unabhängig von seiner Dauer.

 

Auch wenn die Performance selbst das Produkt, das Ergebnis eines Prozesses ist, geht dieser weiter.

 

Es geht immer um das, was daraus entsteht.

Auch wenn der Prozess nicht sichtbar ist, so ist er doch die Grundlage, die es ermöglicht unter die Oberfläche zu dringen.

 

Manchmal ist es für die Performance wichtig, dass sich der Künstler absolut auf die Handlung einlässt. Daran lese ich ab, und erfahre, was er mitteilen möchte. Ich erwarte eine bestimmte Art von Verbundenheit, die sich mir als Zuschauer dadurch mitteilt, dass das der Künstler das, was er tut, im gleichem Mass und Moment auch selbst erfährt. Dadurch wird für mich, unabhängig von narrativen

Zusammenhängen, ein Zustand spürbar. Ich erlebe mit, denn der Künstler gewährt mir Zutritt und Einsicht, indem er sich selbst zum Objekt der Handlung macht.

 

Ich bin interessiert an Unmittelbarkeit, die mir den Raum öffnet und die Freiheit gestattet selbst zu entdecken.

 

Performance zieht immer den Zuschauer hinein ins Geschehen, berührt sensible Punkte und wirft dadurch Fragen auf. Sie legt sie offen, aber beantwortet sie nicht. Dadurch wird der Zuschauer zum Mittäter. Die Frage nach der Verantwortung wird weiter gegeben. Verantwortung, die Handeln erfordern könnte und sich im gleichen Moment selbst in Frage stellt. Auch wenn Einmischung von Seiten des Publikums nicht unbedingt vorgesehen oder gar erwünscht ist, kann es dazu kommen. Die Frage stellt sich und es gibt Künstler, die das in ihren Arbeiten provozieren.

 

Ich, die Künstlerin, meine Arbeit ist der Spiegel, durch den man einen Teil seiner selbst und der Welt erkennen kann. Ich fange auf und werfe zurück. Ich reflektiere das Licht und den Schmerz.

 

Es gibt eine Transformation von Raum, dadurch, das dort etwas statt findet.

 

Durch den Akt der Performance wird diese Transformation spürbar.  Das heißt, ich, die Künstlerin, erwecke  Anteilnahme. Aber es ist und bleibt immer das Abbild einer Realität, die in eine künstliche Wirklichkeit auf einer künstlerischen Ebene gewandelt wurde.

 

Ich sende eine Botschaft in die Welt. Ich transformiere eine Erkenntnis.

Ich gebe ihnen eine Form.

 

Wäre ich ein Maler wäre meine Form das Bild.

 

Die Striche und Farbgebung des Performancekünstlers sind der Einsatz seiner selbst, seines Körpers, seiner Stimme, einer Handlung und die Einbeziehung symbolisch besetzter Objekte.

 

Es ist seine Idee, sein Prozess,  seine Wahl der Mittel, seine Farbgebung. Er ist mit seinem Werk untrennbar verbunden.